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Das Ausmaß der Zerstörung macht sprachlos
Einsatzbericht aus dem Erdbebengebiet von Herrn Dr. Alireza Ghassemi (Zahn,- Mund,- Kiefer- und Gesichtschirurg am UK Aachen)
Mitte Oktober bekam ich einen Anruf, ob ich den pakistanischen Erdbebenopfern irgendwie helfen könnte. Seit Jahren bin ich als Gesichtschirurg regelmäßig auf den Philippinen im Einsatz und operiere dort in meinem Urlaub vor allem Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten. Doch nun sollte und wollte ich in einem Erdbebengebiet Hilfe leisten. Das war etwas völlig anderes.
Innerhalb einer Woche kam ein fünfköpfiges Team zusammen:
Dr. Dr. Alireza Ghassemi, Gesichtschirurg
Dr. Michael Masanek, Unfallchirurg
Ralph Simon, Anästhesist
und ein Pfleger der chirurgischen Ambulanz.
Begleitet von dem pakistanischen Geschäftsmann Khawar Klein flogen wir am 28.10. 2005 nach Islamabad. Unser Gepäck hatte 1.000kg Übergewicht. Es bestand im wesentlichen aus medizinischem Material, das uns von verschiedenen Organisationen und Firmen gespendet worden war. Alles wurde von PIA - Pakistan International Airlines – unentgeltlich mitgenommen. In Islamabad angekommen, suchten wir zuerst das Pakistan Institute für Medical Sciences (PIMS) auf. Nach einem ersten Kontakt mit den Verantwortlichen des Krankenhauses machte ich mich mit meiner zahnärztlichen Kollegin auf den Weg in Richtung Operationssaal. Nach der ersten Operation eines mehrfach gebrochenen Unterkiefers hatte man Gelegenheit einige Kollegen und die OP-Möglichkeiten kennen zu lernen und wir wurden zum Iftar (Abendessen im Fastenmonat Ramadan) eingeladen.
Der Rest des Teams besuchte einige Patientenlager, so genannte Relief Center. Dort versuchte man die Patienten zu untersuchen. Unser unfallchirurgischer Kollege stellte fest, dass einige Patienten falsch gegipst worden waren. Einige hatten den Gips an der falschen Extremität, andere waren ohne irgendeinen Bruch gegipst worden. Doch das alles war unter den extremen Umständen bei dieser Katastrophe nicht verwunderlich.
Nach einigen Tagen bekamen wir mehrere Anfragen aus kleineren Orten, näher am Epizentrum des Bebens. Unsere nächsten Einsätze waren im Feldhospital von dem kleinen Dorf Attar Shisha in dem relativ größerem Krankenhaus in der Stadt Abott Tabatt und. Hier waren 10 große Zelte für 80 Patienten, doch es fehlte an vielem, was man zur Operation braucht. Es gab kein Labor, keine Anästhesiemaschine, das Röntgengerät war defekt. Unser Anästhesist hatte glücklicherweise einen kompletten Anästhesieapparat dabei, so dass endlich Operationen in Vollnarkose durchgeführt werden konnten. Bis 7.11. arbeiteten wir in Attar Shisha in der Region Balakot unweit von Muzaffarabad. Dann kehrten wir zurück nach Islamabad, operierten noch drei Tage mit den Kollegen am PIMS und hatten dabei regen Informationsaustausch über verschiedene Narkose- und Behandlungsformen. Am 11.11. verabschiedeten wir uns, übergaben unser verbliebenes medizinisches Material an die Kollegen vor Ort und flogen zurück nach Deutschland.
Viele Erdbebenopfer brauchen weiterhin unsere Hilfe und müssen mehrmals operiert werden. Manche kamen erst Wochen nach der Verletzung in Behandlung und ihre Brüche sind bereits in Fehlstellungen wieder zusammen gewachsen. Hier werden Korrekturoperationen nötig sein, die man später unter planbaren Bedingungen durchführen sollte. Am 21 April 2006 werde ich deshalb meinen nächsten Einsatz in Pakistan durchführen.
Dr. Dr. Alireza Ghassemi
Gesichtschirurg / Oberarzt der Klinik für Zahn-, Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Aachen
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