|
Bericht der deutschen Volontärin Friederike Quack, die von
Juli 2005 bis Juni 2006 ein freiwilliges soziales Jahr in Bolivien machte
Als Volontärin in Bolivien
Was ist das Projekt „Ayuda Social Familiar“?
Das Familienprojekt „Ayuda Social Familiar“ wurde im Juni 2005 von dem Aachener Verein „Weltbrücke“ ins Leben gerufen. Es bietet finanzielle Hilfe für bis zu 30 extrem arme Familien. Die Familien bestehen meistens aus allein erziehenden Müttern und ihren jungen Kindern, in der Regel zwischen vier und acht Kindern. Das Projekt arbeitet in La Paz, der nominellen Hauptstadt Boliviens. La Paz liegt auf 3600m in einem Talkessel in den Anden, daher ist es relativ kalt in der Stadt. Insbesondere die extrem armen Familien haben keine Heizung und oft auch keine Fensterscheiben, sodass die Kälte in ihr Zimmer eindringt und sie dort quält. Eine Familie bewohnt ein Zimmer mit ein, zwei oder manchmal auch drei Betten. Es gibt keine soziale Absicherung, keine Krankenkasse. Die Familien kommen aus sehr schlechten sozialen Verhältnissen, die Männer verlassen ohne Verantwortungsbewusstsein ihre Familie, unterliegen dem Alkoholismus. Die Frauen müssen alleine für ihre Familie sorgen. Sie schlagen sich mit Gelegenheitsarbeiten durch.
Das Familienprojekt unterstützt die Familien mit je 20Dollarn im Monat. Diese sind zweckbestimmt für Lebensmittel, die Miete oder ein Arbeitskapital. Es ist das Ziel des Projekts, den Familien neben der finanziellen Hilfe eine moralische, soziale Unterstützung zu geben. Hilfe zur Selbsthilfe ist das Motto des Projekts. Es soll keine Abhängigkeit geschaffen werden, weswegen die Hilfe je nach Situation der Familie auf drei bis 12 Monate beschränkt bleibt.
Meine Tätigkeiten im Projekt
Das Projekt wird von der Sozialarbeiterin Sandra geführt. Mit ihr zusammen besuchte ich die Familien, dokumentierte deren Situation, übersetzte Berichte und führte die Korrespondenz mit dem deutschen Spenderverein „Weltbrücke“.
Die Familienbesuche waren sehr interessant. Mit Minibussen fuhr ich zu den Familien in ihr Zimmer und sprach mit ihnen, guckte, wie sie die finanzielle Hilfe eingesetzt haben, hörte mir ihre Probleme an und versuchte mit ihnen zusammen eine Lösung dieser zu finden. Ich merkte schnell, dass die Probleme der extrem armen Familien sehr vielfältig und schwerwiegend sind. Ein Deutscher würde unter den Sorgen einer bolivianischen Mutter wahrscheinlich schon längst den Kopf in den Sand gesteckt haben und genau daher kommt auch mein großer Respekt vor den armen Familien. So schlimm ihre Situation auch ist, sie kämpfen weiter und erfreuen sich umso mehr über einen Ausflug oder ein Fußballspiel, was wir mit ihnen organisierten.
Über meine Besuche berichtete ich Sandra und anschließend übersetzte ich ihre Berichte ins Deutsche und schickte sie an den Verein „Weltbrücke“.
Einmal im Monat fand auch ein Treffen aller Familien statt. Wir erarbeiteten verschiedene Themen mit den Familien und ich spielte mit den Kindern. Diese waren sehr anhänglich und es freute mich immer, mit ihnen zusammen sein zu dürfen.
Meine Erfahrungen im Projekt
Das Projekt „Ayuda Social Familiar“ hilft vielen Familien. Familien, die in extremer Armut unter sehr schwierigen Umständen leben. Es war am Anfang schwer für mich diese Armut zu sehen, eine ökonomische und soziale Armut. Viele Menschen, die ich kennen gelernt habe, konnte nie ein Selbstbewusstsein entwickeln, ein würdevolles Leben ist ihnen nicht gegeben. Ich machte aber die Erfahrung, dass ich ihnen durch Zuwendung ein Stück Würde schenken konnte. Dies machte mir sehr viel Freude und gab mir Mut in meiner täglichen Arbeit. Die Mütter und Kinder mit denen ich gearbeitet habe, waren stets sehr freundlich und nach anfänglichem Kennenlernen herzlich. Sie sind dankbar für die Hilfe und schätzen sie sehr.
Meine Motivation, in ein Entwicklungsland zu gehen
Es war schon seit Längerem mein Wunsch, in ein Entwicklungsland zu gehen und dort zu arbeiten. Zum einen reizte mich das Kennenlernen einer anderen Realität mir allen seinen Schattenseiten, ich war neugierig auf das Leben in einem Entwicklungsland mit persönlichen Einschränkungen. Jeder hat eine Vorstellung von Armut, die in einem Entwicklungsland herrscht. Meine Vorstellung basierte auf Medienberichten und Literatur. Dass meine Vorstellung nur einen Teil der Realität umfasste, lernte ich bei meinem Aufenthalt in Bolivien.
Ich wollte einen Freiwilligen Dienst leisten, da ich so gut wie möglich dazu beitragen wollte, den Armen in Bolivien zu helfen.
Zum Anderen war es das Interesse an einer anderen Kultur, an dem Leben im Ausland, an dem Erlernen einer neuen Sprache. Jeder Auslandsaufenthalt ist mit Konfrontation anderer Gewohnheiten, von anderem Verhalten verbunden. Es war sehr interessant, nach und nach eine Kultur kennen zu lernen und in diese mit hinein zu leben. Durch meine Arbeit in dem Projekt habe ich viel gelernt. Ich sehe die Welt mit anderen Augen, weiß mein eigenes Glück besser zu schätzen. Ich bin dankbar für alle Erfahrungen, die ich bei meiner Arbeit machen durfte.
Friederike Quack
|