UNSER NEUESTES PROJEKT
KINDER UND ARMUT IN EL ALTO
Bericht unserer Koordinatorin vor Ort:
Schulbildung ist in Bolivien leider keine Selbstverständlichkeit.
Sowohl die Menge der öffentlichen Mittel als auch die Verwaltung
dieser Gelder zeigen große Mängel auf. Die Mittel und
Maßnahmen erreichen nicht alle schulpflichtigen Kinder.
Armut, schwierige Familienverhältnisse, Kinderarbeit: nicht alle
Kinder beenden die ersten acht Jahre ihrer Grundschulzeit. Das Ziel,
alle zwölf Jahre der bestehenden Schulpflicht zu durchlaufen und
abzuschließen, verliert sich schon früh aus den Kinderaugen.
Wie können Kinder mit leerem Magen lernen? Wie können sie zum
Hausaufgabenmachen ermuntert werden, wenn die Wunde der häuslichen
Gewalt noch frisch ist? Womit können sie ihre Hausaufgaben machen,
wenn sie nicht ausreichendes Schulmaterial besitzen?
Die Stiftung „Hoffnung Sähen“ erkannte diese
Problematik und der Kinderhort Kürmi (sprich: Kurmi, auf aymara:
Regenbogen) wurde gegründet.
Unsere Zielgruppe
Im Kinderhort Kürmi werden Mädchen und Jungen von 6 - 13
Jahren betreut, die sich aufgrund ihrer Armutssituation in der Gefahr
befinden, frühzeitig die Schule verlassen zu müssen, um durch
Kinderarbeit zum Familieneinkommen beizutragen, oder Kinder, die die
Straße als Lebensort vor der Gewalt in der Familie vorziehen.
Viele der Kinder leben mit nur einem Elternteil, werden von
älteren Geschwistern großgezogen, vernachlässigt von
Eltern, die häufig durch Alkoholkonsum ihre Probleme der extremen
Armut zu vergessen suchen.
Im Kürmi werden 65 Kinder morgens und 65 Kinder am Nachmittag
betreut, denn in Bolivien findet der Schulunterricht entweder
vormittags oder nachmittags statt. Jedes Kind erhält Mittagessen
und je nach „Schicht“ ein Frühstück oder ein
Abendessen. Die Erzieherinnen und Freiwilligen unterstützen die
Kinder integral: Gesundheit (Hygiene, Arztbesuche), gesunde
Ernährung, Hausaufgabenhilfe, didaktische Spiele und Theater. Die
Kinder und Familien werden von Fachpersonal der Sozialarbeit,
Pädagogik und Psychologie begleitet..
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Arbeitsschwerpunkte
Gesundheitserziehung
Persönliche Hygiene und ein positives Selbstbild eignen sich die
Kinder im Kürmi an: angefangen vom Duschen und Kämmen
über Entwickeln eines gesundes Selbstvertrauens bis hin zum
Ordnungssinn. Das Gesundheitszentrum kontrolliert die Einnahmen von
Vitaminen und Proteinen, um die meist unterernährten Kinder
zusätzlich zur gesunden Ernährung in ihrer Entwicklung zu
fördern.
Schulhilfe
Durch Unterstützung beim Lesen, Schreiben und Rechnen, in der
Hausaufgabenhilfe , bei der Nivellierung für Kinder, die nicht in
die Schule gehen, und durch engen Kontakt mit der jeweiligen Schule
werden die Kinder ermutigt, den Schulbesuch nicht abzubrechen.
Von Feinmotorik bis Körperausdruck
Handwerkliche Arbeiten, praktische Kunsterziehung, Körperausdruck
und Theater unterstützen das Selbstvertrauen und helfen in der
Bewältigung des Schulalltags.
Wertevermittlung
Gelebte Werte werden analysiert, Konflikte aufgegriffen, um positiv
daraus zu lernen. Selbstvertrauen, Beziehungen und Lebenspläne
sollen die Kinder möglichst bewusst selbst gestalten.
Familienarbeit
Hier nehmen die Eltern Angebote wahr, um sich in Workshops fortzubilden
und somit ihre Kinder im Schul- und Entwicklungsprozess aktiv
unterstützen zu können. Ebenso erhalten Familien
professionelle Hilfe im Falle von häuslicher Gewalt oder anderen
Schwierigkeiten. Im Extremfall kommt es auch zu Anzeigen beim
staatlichen Jugendamt.
Aus dem Leben berichten:
Cristiana
ist 7 Jahre alt und hat 5 Geschwister. Sie alle leben zusammen mit der
Mutter in einem einzigen Zimmer, in dem zwei Betten stehen, ein alter
Schrank, eine Kochnische. Eine Toilette gibt es nicht, fließend
Wasser im Hof - wenn sie die Rechnung bezahlt haben. Ihre Mutter
verkauft Äpfel, Ihr Vater ist vor drei Jahren gestorben. Sie
vermisst ihn nicht so sehr, er war nur selten zu Hause, und dann war er
oft sehr laut. Manchmal schlug er auch sie und ihre Geschwister.
Seitdem ist die Mutter depressiv, sie vergisst die Kinder, sie redet
kaum mit ihnen, weint viel. Cristiana findet, sie ist eigentlich nicht
anwesend, wenn sie zu Hause ist. Wenn Cristiana von der Schule
heimkommt, findet sie manchmal eine Suppe vor, manchmal Kartoffeln oder
Reis. Nachmittags muss sie auf die kleine Schwester aufpassen, die
Großen gehen arbeiten, denn was die Mutter mitbringt, reicht
nicht aus. Manchmal geht sie mit ihren Geschwistern auf den Spielplatz,
dort sind auch ihre Freundinnen, sie lachen und spielen und manchmal
streiten sie sich auch. Abends versucht sie Hausaufgaben zu machen,
aber ihre Geschwister können ihr auch nicht gut erklären, was
sie da tun soll. Am nächsten Tag schimpft oft die Lehrerin mit
ihr, weil sie ihre Hausaufgaben nicht fertig gemacht hat und ihr Heft
geknickt ist. Aber seit drei Wochen hat sich das geändert! Sie
darf jetzt ins Kürmi gehen, wo sie mit 12 anderen Kindern und zwei
Erzieherinnen zusammen Hausaufgaben macht, wo sie lernt sich zu duschen
und es ein leckeres Mittagessen mit Nachschlag gibt!
Octavia Apaza LLojla - Mutter
„Das Zentrum unterstützt mich und meine Kinder dem Moment,
als ich es am meisten brauchte. Die Kinder erhalten Frühstück
und Mittagessen. Ich bin alleinerziehend und wenn ich arbeiten ging,
blieben sie allein zu Hause, aber jetzt bleiben sie hier im Kürmi
und lernen... Schon als ich das erste Mal hinging, wurde ich sehr nett
behandelt und sie sagten, dass sie mir helfen könnten. Jetzt bin
ich gelassener, ich danke dem Zentrum und hoffe, dass es weiter
funktionieren wird. Ich weiß, dass es nicht viel Geld gibt. Als
Eltern würden wir gerne mehr mithelfen, aber was wir verdienen,
reicht nicht aus. Die meisten Eltern wohnen zur Miete, wir müssen
die Miete bezahlen, das ist oft schwer, wir bräuchten mehr
Unterstützung, aber wissen nicht wo.“
Unser Problem
Das pädagogische Angebot vom Kinderhort Kürmi ist von
großer Bedeutung für die integrale Entwicklung von Jungen
und Mädchen in El Alto, denn häufig ist es der einzige
positive Ort, den sie alltäglich erleben. Seit der Gründung
ist das Kürmi abhängig von - überwiegend - Spenden aus
dem Ausland. Leider wurde bei der internen Finanzprüfung für
das kommende Jahr eine totale Unsicherheit bezüglich der
Finanzierungssituation des Kürmi festgestellt. Um das Kürmi
nicht kurzerhand schließen zu müssen, wurde das Personal
umstrukturiert und zum Teil gekürzt, und die Unterstützung
von Freiwilligen (BolivianerInnen und aus Deutschland/ Österreich)
koordiniert. Ebenso wurde die Essenausgabe auf das Mittagessen
reduziert. Beim letzten Elternabend dankten die Eltern für das
Weiterbestehen des Kürmi und stellten sich zur Verfügung, um
in der Küche und beim Putzen nach einem eigens aufgestellten Plan
zu helfen. Durch die örtliche Finanzierung, sowohl seitens des
Landes als auch durch Beiträge der Eltern und durch Spenden werden
44% der laufenden Kosten abgedeckt, mit denen das Kürmi auch die
kommenden Jahre zählen kann. Bisher wurde durch einzelne Spenden
u.a. der Weltbrücke das Bestehen des Kürmi‘s
„gerettet“. Das Kürmi rechnet jedoch nicht mit einer
sicheren Finanzierung für das kommende Jahr (fehlende 56% der
laufenden Kosten). Aus diesem Grund suchen wir Freunde in Deutschland,
um langfristig das Angebot der integralen Förderung in allen
Arbeitsfeldern für 130 Kinder im Kürmi zu sichern.
Unser Dank gilt allen Menschen, die sich von gelebter Solidarität
leiten lassen - und wir tun hier in Bolivien unser Bestes, den Kindern
und Jugendlichen aus armen Familien eine bessere Gegenwart und Zukunft
zu ermöglichen.
Spenden bitte an: Aachener Bank BLZ: 390 601 80 Kto: 11 5410014
Vermerk: „Kürmi - El Alto“
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